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Ratgeber · Aktualisiert August 2026

Schilfdach, Reetdach, Strohdach – wo ist der Unterschied?

Goldener Schilfrohr-Bestand am Wasser – typisches Reet-Erntegebiet im Ostseeraum

Schilfdach, Reetdach, Rohrdach, Strohdach – wer zum ersten Mal recherchiert, begegnet einem halben Dutzend Begriffen und fragt sich zurecht, ob das alles dasselbe ist. Die kurze Antwort: fast. Hier die Begriffe sauber sortiert, der echte Unterschied zum Strohdach und was ein Bund Reet eigentlich kostet.

Das Wichtigste in Kürze Schilfdach und Reetdach sind dasselbe: ein Dach aus den getrockneten Halmen des Schilfrohrs (Phragmites australis), regional auch Reet, Ried, Reth oder Rohr genannt. Ein Strohdach besteht dagegen aus Getreidestroh, hält mit 15–25 Jahren deutlich kürzer und ist in Deutschland fast verschwunden. Ein Schilfdach kostet, wie jedes Reetdach, marktüblich 170–270 €/m² netto im Komplettprojekt.

Reet, Ried, Rohr, Schilf: ein Material, viele Namen

BegriffHerkunft & Verbreitung
Reet / Rethniederdeutsch; üblich in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen
Riedsüd- und mitteldeutscher Sprachraum
Rohrvor allem Mecklenburg-Vorpommern und der Osten
Schilfhochdeutscher Pflanzenname (Schilfrohr)
Botanischimmer Phragmites australis – dieselbe Pflanze

Egal, welcher Begriff in Ihrem Angebot steht: Gemeint ist die gleiche Pflanze, geerntet als weitgehend blattloser, ausgereifter Halm. Wer „Schilfdach Kosten" sucht, sucht also in Wahrheit Reetdach-Kosten. Alle Zahlen stehen im großen Kosten-Ratgeber.

Reet vs. Stroh: der echte Unterschied

ReetdachStrohdach
MaterialSchilfrohr (Wasserpflanze)Getreide-Langstroh (Roggen/Weizen)
Halmhohl, hart, wasserabweisendweicher, saugfähiger
Lebensdauer25–45 Jahre15–25 Jahre
Verbreitung heuteStandard in Norddeutschlandpraktisch verschwunden; noch in England

In England wird bis heute mit Langstroh gedeckt. Die New York Times hat dem aussterbenden Handwerk im Juni 2026 ein lesenswertes Porträt gewidmet („The Last Straw"). In Norddeutschland hat sich dagegen schon vor Generationen das deutlich langlebigere Schilfrohr durchgesetzt. Aus gutem Grund: Der hohle, harte Halm nimmt weniger Wasser auf und widersteht Pilzbefall länger als Stroh.

Reet kaufen: Was ein Bund kostet und warum Sie Reet selten selbst kaufen

Reet wird in Bunden gehandelt, üblich ist ein Umfang von rund 60 cm; je nach Deckstärke rechnet man grob mit 8–10 Bund pro m² Dachfläche. Die Bundpreise schwanken stark mit Erntejahr, Länge und Qualität. Denn Reet ist ein Naturprodukt mit echten Ernteschwankungen. Für Bauherren ist der Direktkauf trotzdem selten sinnvoll: Fachbetriebe kalkulieren das Material mit ein, prüfen die Charge vor der Verarbeitung und geben nur auf eigenes Material Garantie. Woran gute Ware zu erkennen ist – Güteklassen, Laborprüfung, Herkunftsnachweis – steht ausführlich im Qualitäts-Ratgeber.

Wie wird Reet geerntet?

Geerntet wird Reet im Winter, wenn der Halm ausgereift und abgestorben ist, in guten Jahren sogar vom Eis aus. Kalte Winter sind dabei ein Qualitätsfaktor: Sie lassen den Halm vollständig ausreifen und aushärten. Genau deshalb liefern die Brackwasser-Lagunen des gesamten europäischen Ostseeraums seit Generationen Reet, das den Wuchsbedingungen der deutschen Küste nahezu gleicht.

Strohdach an der Ostsee: Gibt es das noch?

Als Flächendeckung praktisch nicht mehr. Die letzten echten Strohdächer in Norddeutschland sind Einzelfälle. Lebendig geblieben ist die Tradition am First: Dort werden bis heute regional Stroh, Heidekraut oder Grassoden verwendet, je nach Landschaft und Handwerksschule. Wer heute „Strohdach an der Ostsee" sucht, meint in aller Regel ein Reetdach und findet bei uns die passenden Teams dafür.

Über diesen Ratgeber Erstellt und fachlich geprüft vom Team von Reet-Experten (Tækpol Byggefirma ApS) auf Basis der Projekterfahrung unserer Reet-Teams an Nord- und Ostsee. Alle Preisangaben sind unverbindliche Netto-Richtwerte, Stand August 2026. Fragen oder Korrekturen? kontakt@reet-experten.de

Häufige Fragen zu Schilf, Reet und Stroh

Ist ein Schilfdach dasselbe wie ein Reetdach?
Ja. Schilfdach und Reetdach bezeichnen dasselbe Dach aus den getrockneten Halmen des Schilfrohrs (Phragmites australis). Reet, Ried, Reth, Rohr und Schilf sind regionale Namen für dasselbe Material.
Was kostet ein Schilfdach pro m²?
Da Schilfdach und Reetdach identisch sind, gelten dieselben Preise: Komplettprojekte liegen in Norddeutschland marktüblich zwischen 170 und 270 €/m² netto, je nach Dachform, Deckstärke, Material und Region.
Wie lange hält ein Strohdach?
Ein echtes Strohdach aus Getreide-Langstroh hält etwa 15–25 Jahre und damit deutlich kürzer als ein Reetdach (25–45 Jahre). In Deutschland wird heute praktisch nicht mehr mit Stroh in der Fläche gedeckt; Stroh und Heide finden sich vor allem noch als traditionelle Firstdeckung.
Kann ich Reet als Privatperson kaufen?
Ja, Reethandel verkauft auch an Privat, üblich sind Bunde mit rund 60 cm Umfang. Für die Dachdeckung ist der Direktkauf aber selten sinnvoll: Fachbetriebe kalkulieren ihr Material mit ein, stehen für die Qualität der Charge gerade und geben nur auf eigenes Material Garantie.
Warum heißt es auf Sylt Reet und anderswo Rohr?
Reine Sprachgeschichte: Reet und Reth sind niederdeutsch, Ried süd- und mitteldeutsch, Rohr vor allem in Mecklenburg und im Osten gebräuchlich, Schilf der hochdeutsche Pflanzenname. Gemeint ist immer dieselbe Pflanze.

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