Schilfdach, Reetdach, Strohdach – wo ist der Unterschied?
Schilfdach, Reetdach, Rohrdach, Strohdach – wer zum ersten Mal recherchiert, begegnet einem halben Dutzend Begriffen und fragt sich zurecht, ob das alles dasselbe ist. Die kurze Antwort: fast. Hier die Begriffe sauber sortiert, der echte Unterschied zum Strohdach und was ein Bund Reet eigentlich kostet.
Reet, Ried, Rohr, Schilf: ein Material, viele Namen
| Begriff | Herkunft & Verbreitung |
|---|---|
| Reet / Reth | niederdeutsch; üblich in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen |
| Ried | süd- und mitteldeutscher Sprachraum |
| Rohr | vor allem Mecklenburg-Vorpommern und der Osten |
| Schilf | hochdeutscher Pflanzenname (Schilfrohr) |
| Botanisch | immer Phragmites australis – dieselbe Pflanze |
Egal, welcher Begriff in Ihrem Angebot steht: Gemeint ist die gleiche Pflanze, geerntet als weitgehend blattloser, ausgereifter Halm. Wer „Schilfdach Kosten" sucht, sucht also in Wahrheit Reetdach-Kosten. Alle Zahlen stehen im großen Kosten-Ratgeber.
Reet vs. Stroh: der echte Unterschied
| Reetdach | Strohdach | |
|---|---|---|
| Material | Schilfrohr (Wasserpflanze) | Getreide-Langstroh (Roggen/Weizen) |
| Halm | hohl, hart, wasserabweisend | weicher, saugfähiger |
| Lebensdauer | 25–45 Jahre | 15–25 Jahre |
| Verbreitung heute | Standard in Norddeutschland | praktisch verschwunden; noch in England |
In England wird bis heute mit Langstroh gedeckt. Die New York Times hat dem aussterbenden Handwerk im Juni 2026 ein lesenswertes Porträt gewidmet („The Last Straw"). In Norddeutschland hat sich dagegen schon vor Generationen das deutlich langlebigere Schilfrohr durchgesetzt. Aus gutem Grund: Der hohle, harte Halm nimmt weniger Wasser auf und widersteht Pilzbefall länger als Stroh.
Reet kaufen: Was ein Bund kostet und warum Sie Reet selten selbst kaufen
Reet wird in Bunden gehandelt, üblich ist ein Umfang von rund 60 cm; je nach Deckstärke rechnet man grob mit 8–10 Bund pro m² Dachfläche. Die Bundpreise schwanken stark mit Erntejahr, Länge und Qualität. Denn Reet ist ein Naturprodukt mit echten Ernteschwankungen. Für Bauherren ist der Direktkauf trotzdem selten sinnvoll: Fachbetriebe kalkulieren das Material mit ein, prüfen die Charge vor der Verarbeitung und geben nur auf eigenes Material Garantie. Woran gute Ware zu erkennen ist – Güteklassen, Laborprüfung, Herkunftsnachweis – steht ausführlich im Qualitäts-Ratgeber.
Wie wird Reet geerntet?
Geerntet wird Reet im Winter, wenn der Halm ausgereift und abgestorben ist, in guten Jahren sogar vom Eis aus. Kalte Winter sind dabei ein Qualitätsfaktor: Sie lassen den Halm vollständig ausreifen und aushärten. Genau deshalb liefern die Brackwasser-Lagunen des gesamten europäischen Ostseeraums seit Generationen Reet, das den Wuchsbedingungen der deutschen Küste nahezu gleicht.
Strohdach an der Ostsee: Gibt es das noch?
Als Flächendeckung praktisch nicht mehr. Die letzten echten Strohdächer in Norddeutschland sind Einzelfälle. Lebendig geblieben ist die Tradition am First: Dort werden bis heute regional Stroh, Heidekraut oder Grassoden verwendet, je nach Landschaft und Handwerksschule. Wer heute „Strohdach an der Ostsee" sucht, meint in aller Regel ein Reetdach und findet bei uns die passenden Teams dafür.