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Ratgeber · Aktualisiert Juli 2026

Reetdach neu decken: Anzeichen, Ablauf und Dauer

Halb gedecktes Reetdach: sichtbare Lattung und Unterspannbahn neben der frischen Reetlage

Ein Reetdach kündigt sein Ende lange an. Wer die Zeichen kennt, kann planen statt notreparieren. Hier lesen Sie, woran Sie eine fällige Neueindeckung erkennen, wie die Arbeiten Schritt für Schritt ablaufen und was Sie als Bauherr vorbereiten müssen.

Das Wichtigste in Kürze Ein Reetdach hält 25–45 Jahre. Fällig wird die Neueindeckung, wenn die Deckstärke unter etwa 10–15 cm sinkt, Bindedrähte sichtbar werden oder Mulden und Fehlstellen entstehen. Die Arbeiten dauern 2–5 Wochen; das Haus bleibt bewohnbar. Wichtigster Rat: 6–12 Monate Vorlauf einplanen und ein verbindliches Angebot inklusive Ausführungsdatum einholen, denn gute Betriebe sind lange ausgebucht.

Die 5 Anzeichen: Wann ist das Dach fällig?

Dichter Moosbewuchs auf einem alten, verwitterten Reetdach in Nahaufnahme

1. Sichtbare Bindedrähte. Reet verwittert von außen nach innen, etwa 1 cm pro Jahr. Werden die Spanndrähte sichtbar, die die Reetlagen halten, ist die Deckung an dieser Stelle fast aufgebraucht – höchste Zeit für die Begutachtung.

2. Deckstärke unter 10–15 cm. Neu gedeckt wird mit rund 30–35 cm in der Dachflächenmitte. Ein Fachbetrieb misst mit der Sonde, wie viel davon übrig ist. Unter 10–15 cm schützt das Dach nicht mehr zuverlässig gegen Schlagregen.

3. Mulden, Dellen und Fehlstellen. Ungleichmäßig abgewitterte Flächen und ausgebrochene Partien – oft an Gauben, Kehlen und der Wetterseite – zeigen, dass die Substanz nachlässt. Einzelstellen lassen sich reparieren; häufen sie sich, wird die Reparatur teurer als geplant.

4. Starker, dauerhaft feuchter Moosbewuchs. Etwas Moos ist normal. Kritisch wird es, wenn ganze Flächen dauerhaft grün und feucht bleiben. Dann trocknet das Dach nicht mehr ab und der Abbau beschleunigt sich von innen.

5. Der First zerfällt wiederholt. Der First ist das Verschleißteil und wird ohnehin alle 8–15 Jahre erneuert. Wenn aber auch die angrenzenden Flächen bei jeder Firsterneuerung mit ausgebessert werden müssen, lohnt die Gesamtrechnung einer Neueindeckung.

Der Ablauf in 7 Schritten

Schritt 1: Begutachtung und Aufmaß. Der Fachbetrieb prüft Deckstärke, Unterkonstruktion und Details vor Ort und misst das Dach exakt auf. Auf dieser Basis entsteht das verbindliche Angebot.

Schritt 2: Terminierung und Vorbereitung. Zwischen Auftrag und Baubeginn liegen je nach Auslastung Wochen bis Monate. Als Bauherr stellen Sie üblicherweise das Gerüst, einen Container oder Lagerplatz für das alte Reet sowie – bei auswärtigen Kolonnen – eine Unterkunft für die Arbeiter. Diese Punkte stehen in jedem seriösen Angebot.

Schritt 3: Abtragen der alten Deckung. Das alte Reet wird abgenommen, ebenso die alten Dachlatten. Jetzt zeigt sich der Zustand des Dachstuhls – kleinere Ausbesserungen am Holz sind bei alten Häusern eher die Regel als die Ausnahme.

Freigelegter Dachstuhl mit neuer Lattung und drei Rundbogengauben vor der Eindeckung

Schritt 4: Neue Unterkonstruktion. Konterlattung, Unterspannbahn und Neueinlattung mit 40×60-mm-Latten bilden das Fundament der neuen Deckung. Optional wird jetzt ein Brandschutzsystem wie Sepatec eingebaut – nachträglich geht das nicht mehr.

Schritt 5: Eindeckung. Bund für Bund wird das Reet aufgelegt, mit Edelstahl-Spanndraht gebunden und geklopft, bis die Fläche gleichmäßig bei rund 30–35 cm Deckstärke liegt. Gauben und Kehlen sind reine Handarbeit und bestimmen das Tempo.

Schritt 6: First und Details. Zum Schluss kommt der First – als klassischer Rohrfirst oder mit Heide abgedeckt – plus Firstlüftung, Trauf- und Ortgangbretter und, wo gewünscht, die traditionellen Pferdeköpfe am Giebel.

Fertig gedecktes Reetdach mit Firstfenster aus Glas und geschwungenen Gauben

Schritt 7: Abnahme und Dokumentation. Gemeinsame Abnahme, Schlussrechnung nach vereinbarter Zahlungsstaffel, schriftliche Garantie. Seriöse Betriebe geben bis zu 10 Jahre auf ihre Arbeiten – lassen Sie sich das schriftlich geben.

Wie lange dauert das Ganze?

ProjektDauer der Arbeiten
Kleines Dach (bis 120 m²), einfache Formca. 2 Wochen
Typisches Wohnhaus (150–200 m²)2–4 Wochen
Große Kate / Objekt mit Gauben (ab 250 m²)4–5 Wochen
Nur Firsterneuerung1–3 Tage

Hinzu kommt die Wartezeit auf den Betrieb: Gute Reetdachdecker sind 6–12 Monate im Voraus ausgebucht.

Der wichtigste Rat: früh anfragen

Termine bei Reetdachdeckern sind besonders kurzfristig sehr schwer zu bekommen. Wer wartet, bis das Dach undicht ist, zahlt für Notreparaturen und nimmt den Betrieb, der gerade Zeit hat, nicht den besten. Wer 6–12 Monate Vorlauf einplant, kann Angebote vergleichen, die Reet-Qualität hinterfragen und den Termin in eine günstige Jahreszeit legen. Genau dabei helfen wir: Mit unserer Kostenschätzung wissen Sie früh, was auf Sie zukommt. Woran Sie einen guten Betrieb erkennen, steht hier im Detail. Und wer die Neueindeckung noch hinauszögern kann: Mit dem richtigen Wartungsplan hält Ihr Dach spürbar länger.

Häufige Fragen zur Neueindeckung

Wie lange dauert eine Reetdach-Neueindeckung?
Für ein typisches Wohnhaus mit 150–200 m² Dachfläche 2–4 Wochen, bei großen Objekten mit Gauben bis zu 5 Wochen, abhängig von Dachform und Witterung.
Kann man ein Reetdach im Winter decken?
Ja, gedeckt wird ganzjährig, solange es nicht dauerhaft friert oder stürmt. Die Wintermonate sind bei vielen Betrieben besser verfügbar.
Muss ich während der Arbeiten ausziehen?
Nein, die Arbeiten finden von außen statt. Beim Abtragen des alten Dachs kann es kurzzeitig staubig und laut werden.
Wann sollte ich anfragen?
So früh wie möglich – gute Betriebe sind 6–12 Monate im Voraus ausgebucht. Wer im Herbst anfragt, hat gute Chancen auf einen Termin im Folgejahr.

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