Reetdach neu decken: Anzeichen, Ablauf und Dauer
Ein Reetdach kündigt sein Ende lange an. Wer die Zeichen kennt, kann planen statt notreparieren. Hier lesen Sie, woran Sie eine fällige Neueindeckung erkennen, wie die Arbeiten Schritt für Schritt ablaufen und was Sie als Bauherr vorbereiten müssen.
Die 5 Anzeichen: Wann ist das Dach fällig?
1. Sichtbare Bindedrähte. Reet verwittert von außen nach innen, etwa 1 cm pro Jahr. Werden die Spanndrähte sichtbar, die die Reetlagen halten, ist die Deckung an dieser Stelle fast aufgebraucht – höchste Zeit für die Begutachtung.
2. Deckstärke unter 10–15 cm. Neu gedeckt wird mit rund 30–35 cm in der Dachflächenmitte. Ein Fachbetrieb misst mit der Sonde, wie viel davon übrig ist. Unter 10–15 cm schützt das Dach nicht mehr zuverlässig gegen Schlagregen.
3. Mulden, Dellen und Fehlstellen. Ungleichmäßig abgewitterte Flächen und ausgebrochene Partien – oft an Gauben, Kehlen und der Wetterseite – zeigen, dass die Substanz nachlässt. Einzelstellen lassen sich reparieren; häufen sie sich, wird die Reparatur teurer als geplant.
4. Starker, dauerhaft feuchter Moosbewuchs. Etwas Moos ist normal. Kritisch wird es, wenn ganze Flächen dauerhaft grün und feucht bleiben. Dann trocknet das Dach nicht mehr ab und der Abbau beschleunigt sich von innen.
5. Der First zerfällt wiederholt. Der First ist das Verschleißteil und wird ohnehin alle 8–15 Jahre erneuert. Wenn aber auch die angrenzenden Flächen bei jeder Firsterneuerung mit ausgebessert werden müssen, lohnt die Gesamtrechnung einer Neueindeckung.
Der Ablauf in 7 Schritten
Schritt 1: Begutachtung und Aufmaß. Der Fachbetrieb prüft Deckstärke, Unterkonstruktion und Details vor Ort und misst das Dach exakt auf. Auf dieser Basis entsteht das verbindliche Angebot.
Schritt 2: Terminierung und Vorbereitung. Zwischen Auftrag und Baubeginn liegen je nach Auslastung Wochen bis Monate. Als Bauherr stellen Sie üblicherweise das Gerüst, einen Container oder Lagerplatz für das alte Reet sowie – bei auswärtigen Kolonnen – eine Unterkunft für die Arbeiter. Diese Punkte stehen in jedem seriösen Angebot.
Schritt 3: Abtragen der alten Deckung. Das alte Reet wird abgenommen, ebenso die alten Dachlatten. Jetzt zeigt sich der Zustand des Dachstuhls – kleinere Ausbesserungen am Holz sind bei alten Häusern eher die Regel als die Ausnahme.
Schritt 4: Neue Unterkonstruktion. Konterlattung, Unterspannbahn und Neueinlattung mit 40×60-mm-Latten bilden das Fundament der neuen Deckung. Optional wird jetzt ein Brandschutzsystem wie Sepatec eingebaut – nachträglich geht das nicht mehr.
Schritt 5: Eindeckung. Bund für Bund wird das Reet aufgelegt, mit Edelstahl-Spanndraht gebunden und geklopft, bis die Fläche gleichmäßig bei rund 30–35 cm Deckstärke liegt. Gauben und Kehlen sind reine Handarbeit und bestimmen das Tempo.
Schritt 6: First und Details. Zum Schluss kommt der First – als klassischer Rohrfirst oder mit Heide abgedeckt – plus Firstlüftung, Trauf- und Ortgangbretter und, wo gewünscht, die traditionellen Pferdeköpfe am Giebel.
Schritt 7: Abnahme und Dokumentation. Gemeinsame Abnahme, Schlussrechnung nach vereinbarter Zahlungsstaffel, schriftliche Garantie. Seriöse Betriebe geben bis zu 10 Jahre auf ihre Arbeiten – lassen Sie sich das schriftlich geben.
Wie lange dauert das Ganze?
| Projekt | Dauer der Arbeiten |
|---|---|
| Kleines Dach (bis 120 m²), einfache Form | ca. 2 Wochen |
| Typisches Wohnhaus (150–200 m²) | 2–4 Wochen |
| Große Kate / Objekt mit Gauben (ab 250 m²) | 4–5 Wochen |
| Nur Firsterneuerung | 1–3 Tage |
Hinzu kommt die Wartezeit auf den Betrieb: Gute Reetdachdecker sind 6–12 Monate im Voraus ausgebucht.
Der wichtigste Rat: früh anfragen
Termine bei Reetdachdeckern sind besonders kurzfristig sehr schwer zu bekommen. Wer wartet, bis das Dach undicht ist, zahlt für Notreparaturen und nimmt den Betrieb, der gerade Zeit hat, nicht den besten. Wer 6–12 Monate Vorlauf einplant, kann Angebote vergleichen, die Reet-Qualität hinterfragen und den Termin in eine günstige Jahreszeit legen. Genau dabei helfen wir: Mit unserer Kostenschätzung wissen Sie früh, was auf Sie zukommt. Woran Sie einen guten Betrieb erkennen, steht hier im Detail. Und wer die Neueindeckung noch hinauszögern kann: Mit dem richtigen Wartungsplan hält Ihr Dach spürbar länger.