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Ratgeber · Aktualisiert Juli 2026

Reetdach-Kosten 2026: Was kostet ein neues Reetdach?

Frisch gedeckte Reetdachfläche mit gleichmäßiger Deckstärke

Ein Reetdach ist selten eine finanzielle Entscheidung – sondern eine Entscheidung für norddeutsche Baukultur. Umso wichtiger ist es, die Kosten richtig einzuordnen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Preise heute marktüblich sind, warum die Spanne so groß ist und wie Sie Angebote besser bewerten können.

Das Wichtigste in Kürze Komplettprojekte für Reetdächer bewegen sich in Norddeutschland marktüblich zwischen rund 170 und 270 € pro m² netto. Wo Ihr Dach innerhalb dieser Spanne liegt, hängt von mehreren Faktoren ab und entscheidet sich meist schon vor der Beauftragung.

Warum die Preisspanne so groß ist

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Zwischen zwei Angeboten für dasselbe Dach können Preisunterschiede von über 50 % liegen. Marktüblich sind aktuell rund 170 bis 270 € pro m² netto; je nach Dach, Material und Ausführung.

Das folgende Beispiel zeigt, wie sich diese Spanne bei einem Reetdach mit rund 360 m² auswirkt:

Szenario (360 m² Dachfläche)Gesamtkosten
Unteres Ende der Spanne (ca. 170 €/m²)ca. 61.000 €
Mittleres Marktniveau (ca. 220 €/m²)ca. 79.000 €
Oberes Ende der Spanne (ca. 270 €/m²)ca. 97.000 €

Unverbindliche Netto-Richtwerte für Komplettprojekte inkl. Material und Lohn; Gerüst und Entsorgung je nach Angebot zusätzlich. Stand: August 2026. Maßgeblich ist ausschließlich das verbindliche Angebot des ausführenden Betriebs nach Aufmaß.

Über 50 % Preisunterschied beim selben Dach, ohne dass das teurere Angebot automatisch besser ist. Wer die wichtigsten Preisfaktoren kennt, kann Angebote besser vergleichen und unnötige Mehrkosten vermeiden.

Warum die Spanne so groß ist: die 6 Preisfaktoren

1. Marktlage und Timing. Reetdachdecker sind rar und oft 6–12 Monate ausgebucht. Wer unter Zeitdruck anfragt – etwa wenn das Dach bereits undicht ist – hat keine Verhandlungsposition und nimmt, was verfügbar ist. Wer mit Vorlauf plant, kann vergleichen und Termine in nachfrageschwächere Monate legen.

2. Deckstärke und Reet-Qualität. Marktüblich sind rund 30–35 cm Deckstärke in der Dachflächenmitte mit Schilfrohr 1. Sorte, gebunden mit Edelstahldraht. Dünnere Deckung oder verzinkter Draht machen ein Angebot billiger – und das Dach kurzlebiger. Ein niedriger Preis mit schwächerer Leistung ist kein günstiges Angebot. Wie Sie die Reet-Qualität einschätzen können, können Sie hier nachlesen.

3. Dachform und Details. Gauben, Kehlen und Anschlüsse sind aufwendige Handarbeit. Eine glatte Satteldachfläche ordnet sich am unteren Ende der Preisspanne ein, eine historische Kate mit tief gezogener Traufe und drei Gauben liegt preislich deutlich höher.

4. Region und Logistik. Auf den Inseln verteuern Fähre, Anfahrt und Unterbringung der Kolonne die Eindeckung des Dachs. Auch generell gilt: Je gefragter die Lage, desto höher die Preise.

5. Der Einkaufsweg des Reets. Reet ist ein Naturprodukt mit stark schwankenden Erzeugerpreisen. Betriebe, die eigenes Reet aus kontrollierten Beständen im Ostseeraum ernten und ohne Zwischenhandel verarbeiten, haben die Materialkosten in der eigenen Hand. Dies ist ein struktureller Vorteil, der sich in der Kalkulation niederschlagen kann. Entscheidend bleibt aber die geprüfte Güteklasse, nicht der Preis allein.

6. Nebenpositionen und Kleingedrucktes. Gerüst, Container, Entsorgung des alten Reets, Unterbringung der Arbeiter: Ob diese Posten im Angebot enthalten sind oder später dazukommen, macht mehrere tausend Euro aus. Vergleichen Sie nie nur die Endsumme, sondern immer den Leistungsumfang.

Was in einem Komplettprojekt eigentlich steckt

Hinter dem m²-Preis steht eine ganze Kette von Arbeitsschritten – vom Gerüst bis zur Abnahme. Wer sie kennt, versteht Angebote besser und erkennt, welche Positionen ein seriöses Angebot einzeln ausweisen sollte:

ArbeitsschrittWas dabei passiert
1. Gerüst & BaustelleneinrichtungGerüststellung, Absicherung, Container bzw. Lagerplatz für das alte Reet – je nach Angebot bauseits oder durch den Betrieb.
2. Abtragen der AltdeckungAltes Reet und alte Dachlatten werden abgenommen und fachgerecht entsorgt.
3. Prüfung des DachstuhlsSparren und Holzkonstruktion werden begutachtet; kleinere Ausbesserungen sind bei alten Häusern eher die Regel als die Ausnahme.
4. UnterkonstruktionKonterlattung, Unterspannbahn und neue Traglattung (üblich 40×60 mm) bilden das Fundament der neuen Deckung – inklusive Hinterlüftung.
5. Optional: BrandschutzlageEin Brandschutzsystem (z. B. Sepatec) lässt sich nur jetzt einbauen und wird von vielen Versicherern honoriert.
6. EindeckungBund für Bund wird das Reet aufgelegt, mit Edelstahldraht gebunden und geklopft, bis die Fläche gleichmäßig bei rund 30–35 cm Deckstärke liegt.
7. Details & HandarbeitTraufe, Ortgang, Kehlen und Gauben werden ausgeformt – reine Handarbeit, die das Tempo und einen guten Teil des Preises bestimmt.
8. FirstAbschluss als klassischer Rohrfirst oder mit Heide abgedeckt, inklusive Firstlüftung.
9. Abnahme & DokumentationGemeinsame Abnahme, Schlussrechnung nach Zahlungsstaffel und schriftliche Garantie.

Vergleichen Sie Angebote immer entlang dieser Schritte, nicht nur über die Endsumme, und vergewissern Sie sich, dass im Angebot alle Schritte berücksichtigt sind.

Optionale Positionen, die sich lohnen können

Kupferdachrinne mit Fallrohr an der Traufe eines Reetdachs

Zwei Posten machen ein Angebot teurer, sind aber gut angelegtes Geld. Details wie eine Kupferdachrinne zeigen, woran man wertige Ausführung erkennt: Ein Brandschutzsystem (z. B. Sepatec) lässt sich nur während der Neueindeckung einbauen, wird von vielen Versicherern honoriert und in manchen Lagen gefordert. Eine hochwertige First-Ausführung zahlt sich aus, weil der First den größten Verschleiß beim Reetdach aufweist und ohnehin alle 8–15 Jahre erneuert werden muss. Hier entscheidet die Qualität über die Wartungsintervalle.

Laufende Kosten nicht vergessen

Zur ehrlichen Rechnung gehören die Folgekosten: die Firsterneuerung alle 8–15 Jahre, gelegentliches Abmoosen und Kleinreparaturen sowie die höhere Gebäudeversicherung für weiche Bedachung. Ein Reetdach ist ein Dach, das gepflegt werden will – und dafür Jahrzehnte hält und mit jedem Jahr schöner wird.

Woran Sie ein faires Angebot erkennen

  • Alle Positionen sind größtenteils einzeln ausgewiesen und nicht nur als Pauschale.
  • Deckstärke, Reet-Sorte, Herkunft und Drahtqualität (Edelstahl/verzinkt) sind benannt.
  • Sie erhalten eine schriftliche Garantie – gute Betriebe geben bis zu 10 Jahre auf ihre Arbeiten.
  • Es gibt eine klare Zahlungsstaffel nach Baufortschritt und die Schlussrechnung kommt nach Abnahme.
  • Es ist eindeutig geregelt, wer Gerüst, Container und Entsorgung stellt.

Unsere Kostenschätzung erleichtert Ihnen den Überblick: Sie erhalten die marktübliche Einordnung für Ihr konkretes Dach und können jedes Angebot daran messen, bevor Sie unterschreiben. Kostenlos, unverbindlich, innerhalb von 48 Stunden.

Häufige Fragen zu Reetdach-Kosten

Was kostet ein Reetdach mit 360 m²?
Marktüblich zwischen etwa 61.000 und 97.000 € – je nach Dachform, Deckstärke, Material, Region und Marktlage. Gerüst und Entsorgung kommen je nach Angebot hinzu.
Ist ein Reetdach teurer als ein Ziegeldach?
In der Anschaffung ja – etwa das Doppelte eines einfachen Ziegeldachs. Dafür ist es Handarbeit eines spezialisierten Gewerks, dämmt spürbar und prägt den Wert norddeutscher Immobilien erheblich.
Wie lange hält ein neues Reetdach?
Bei guter Reet-Qualität, steiler Dachneigung (ideal um 50°) und regelmäßiger Pflege 25–45 Jahre. Der First muss früher erneuert werden, etwa alle 8–15 Jahre.
Was kostet die Reparatur eines Reetdachs?
Kleinsanierungen (Moos entfernen, kleine Löcher ausbessern) sind vergleichsweise günstig und werden pro m² abgerechnet. Die häufigste größere Reparatur ist die Firsterneuerung – bei üblichen Firstlängen meist im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich.

Was kostet Ihr Dach?

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